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Andreas Lauter (Naturwacht) im fibz-Magazin

Wir sind nur Gäste im Wald!

Und als solche sollten wir uns auch den Gepflogenheiten des Waldes und seiner Bewohner anpassen. Wie sich Zweibeiner im Wald verhalten sollten, weiß Andreas Lauter von der Naturwacht Barnim und beantwortet fibz-Fragen:


Warum sind unsere Wälder für uns und für alle so wichtig?

Wälder sind die grünen Lungen unseres Planeten. Schritt für Schritt haben sie seit ihrer Entstehung vor über 300 Millionen Jahren einen wichtigen Anteil daran, dass das Kohlendioxid in der Atmosphäre reduziert wird. Wie alle Grünpflanzen nehmen Bäume das Treibhausgas auf um mit Hilfe der Sonne den Kohlenstoff für sich selbst zu gewinnen. Als Abfallprodukt geben sie den für uns so wichtigen Sauerstoff ab. Die ursprünglichen Bäume konnten nur in Sümpfen wachsen, da der Wassertransport in die höchsten Wipfel noch nicht so entwickelt war. Wenn sie abstarben, wurden sie unter Sauerstoffabschluss konserviert und entwickelten sich über die Jahrmillionen zu unseren Steinkohle-, später unseren Braunkohlelagerstätten. Der so festgelegte Kohlenstoff konnte nicht mehr in die Atmosphäre gelangen und für die Erderwärmung sorgen; ein Effekt, den wir durch die Verbrennung der Kohle nun wieder umkehren.

In der heutigen Klimadiskussion wird die Funktion des Waldes als Kohlenstoffspeicher und Sauerstoffproduzent in den Vordergrund gestellt, deshalb auch dieser kurze Ausflug in die Geschichte. Aber auch für das aktuelle Mikroklima ist er unentbehrlich. Er sorgt mit seinem Blätterdach für einen Temperaturausgleich zwischen Tag und Nacht und schafft es, die Luftfeuchtigkeit im Innern des Waldes höher zu halten. Der Wald speichert auch deutlich mehr Wasser im Boden als Freiflächen und trägt maßgeblich zur Grundwasserneubildung bei und ist daher für unsere Trinkwasserversorgung wesentlich.

Gleichzeitig tragen Wälder auch zur Filterung von Staub, Giftstoffen und sogar Radioaktivität bei und sind nicht zuletzt lebende Schallschutzwände. All diese Funktionen machen den Wald so wertvoll für unser persönliches Wohlbefinden, auch als Freizeit- und Erholungsraum.


Was sollte man beachten, um die Bewohner des Waldes nicht unnötig zu stören?

Zunächst sollte man sich einfach normal und rücksichtsvoll im Wald verhalten. Wenn man sich gedämpft unterhält, ist das für die Tiere kein Problem, da sie schon über größere Entfernung auf die Spaziergänger aufmerksam werden und in Ruhe entscheiden, ob sie einfach an Ort und Stelle bleiben oder sich zurückziehen. Hektisches Verhalten oder Kreischen weist auf Gefahr hin und animiert Tiere zur Flucht. Übrigens: Tiere reagieren auch empfindlich, wenn man durch den Wald schleicht. Schließlich schleichen sich auch Fressfeinde an.

Müssen auch Menschen auf den Wegen bleiben oder darf man querfeldein stromern?

Man darf durchaus im Wald die Wege verlassen, es sei denn, man bewegt sich durch ein Naturschutzgebiet. Natürlich sind auch umzäunte oder als gesperrt gekennzeichnete Waldflächen oder Wälder, in denen gerade Forstarbeiten stattfinden, für Spaziergänger tabu. Wenn eine hohe Waldbrandgefahr besteht oder Baumfällungen durchgeführt werden, können auch die Wege gesperrt werden.

Was halten Sie vom Sammeln im Wald: Stöcker, Moos, Blumen, Beeren, Pilze – alles tolle Mitnehmsel. Was und wie viel darf man denn mitnehmen?

Natürlich darf man im Wald dieses alles mitnehmen, soweit es nicht selten und dadurch geschützt ist. Für jeden sollte es selbstverständlich sein, nur für den eigenen Gebrauch und nicht in Unmengen zu sammeln. Abreißen von Ästen oder Ausbuddeln von Bäumchen und Pflanzen sind genauso tabu. Das Sammeln für den heimischen Herd und Materialien für ein kreatives Heim sind vom Gesetzgeber ausdrücklich erlaubt.

Darf man im Wald mal eine Nacht zelten?

Wenn es der Waldbesitzer schriftlich erlaubt, besteht auch die Möglichkeit, mal eine Nacht zu zelten. Dazu muss man aber wissen, wem der Wald konkret gehört. Das ist nämlich nicht unbedingt der Förster. Meist verwaltet der Förster den Wald für die vielen Waldbesitzer, weil sich die Flächen in Privatbesitz befinden. Wenn die zusammenhängende Fläche groß genug ist, kann der Besitzer auch einen sogenannten Eigenforst betreiben. Das sind zum Beispiel ehemalige Adlige oder in unserem besonderen Fall die Stadt Berlin. Deshalb sieht man zum Beispiel im Süden des Naturparks oft Fahrzeuge der Berliner Forsten. Ihre Wälder erkennt man an den grün-weißen Schranken im Gegensatz zu den rot-weißen der Brandenburger.

Ein Lagerfeuer im Wald ist ja keine gute Idee. Was aber ist an Glasflaschen das Problem im Wald?

Ein Lagerfeuer im Wald ist eine verdammt schlechte Idee und deshalb nicht nur im Wald, sondern auch innerhalb von 50 Metern zum Wald ausdrücklich verboten! Das gilt nicht nur für ein Lagerfeuer, sondern für jegliches offene Feuer, wozu auch das Rauchen gehört. Also liebe Eltern, für die Zeit des Waldspaziergangs einfach auf die Zigarette verzichten und lieber die frische Waldluft genießen.

Glasflaschen im Wald sind in erster Linie ein Müllproblem. An Glasscherben können sich Tiere schwer verletzen. Aber Ihre Frage zielt sicher darauf ab, dass Glas unter idealen Bedingungen zum Brennglas werden kann und somit Auslöser für Waldbrände wäre.

Was kann man noch tun, um den Wald vor Bränden zu schützen?
Der Naturpark Barnim gehört trotz der Nähe zu Berlin zu den waldreichsten Regionen. Mehr als die Hälfte des Naturparks sind von Wald bedeckt und wenn man möchte, kann man ihn von Ost nach West durchqueren, ohne einmal den Wald verlassen zu müssen. Große Teile sind Kiefernforsten, die dazu noch auf den ehemaligen Dünen der letzten Eiszeit stehen. Damit ist die Waldbrandgefahr durch schelle Austrocknung und die leichte Brennbarkeit der Kiefern besonders hoch. Ein weiteres Problem der lichten Kiefernforsten ist, dass am Boden viel Gras wächst, das ebenfalls schnell trocken ist. Die Hitze eines Katalysators oder Auspuffs kann schon ausreichen, um dieses Gras zu entzünden. Wenn man sich nicht gleich per Fahrrad oder zu Fuß aufmacht, sollte man das Auto auf befestigten Flächen in ausreichendem Abstand zum Wald parken. Auf keinen Fall so, dass bei einem eventuellen Brand die Einsatzkräfte der Feuerwehr behindert sind.

Bei höchster Waldbrandgefahr sollte man vielleicht auf einen Waldspaziergang verzichten, auch wenn die Behörden den Wald noch nicht gesperrt haben. Vor allem sollte man aufmerksam unterwegs sein, um eventuelle Entstehungsbrände schnell zu entdecken und über die 112 zu melden. Übrigens: Die heutigen Mehrbandhandys können einen Notruf selbst dann absetzen, wenn man in seinem Heimnetz keinen Empfang hat.

Wir sind mit dem Wald eng verbunden und es ist immer wieder ein tolles Erlebnis, mit offenen Augen im Wald unterwegs zu sein. Mit ein bisschen Respekt vor dem Wunder Wald und mit normalem Menschenverstand wird er auch in Zukunft für uns da sein. Übrigens: Noch bis Ende der Sommerferien kann man beim „Abenteuer Naturpark – Leben im und am Wald“ mitmachen. Fotos, Zeichnungen, Modelle oder Aufzeichnungen sind gern gesehen. Sie sollten transportabel sein, um sie auf dem Naturparkfest und ggf. auf einer Wanderausstellung einem größeren Publikum zeigen zu können. Näheres unter: www.naturimbarnim.de/de/projekte/abenteuer-naturpark.html oder www.facebook.com/AbenteuerNaturpark finden.

Quelle: fibz::familienmagazin Ausgabe Juli/August 2019